Mose - Freilichttheater 15. Mai 2015

Bild von der Probe: Karl Stolz

Mose – der Weg in die Freiheit

Jeder kennt sie, die Geschichte des kleinen Jungen Mose, dessen Mutter ihn aus Angst, dass Soldaten ihn töten würden, in einem Körbchen im Nil aussetzt. Die Geschichte des Jungen, der zum Mann heranwuchs und die Aufgabe von Gott bekam, die Israeliten aus Ägypten zu führen. Bereits zum vierten Mal brachte das Jesinger Freilichtspiel-Team eine Bibelgeschichte als „heiteres Bibeldrama“, das das Publikum bestens unterhielt und dennoch Denkanstöße gab, auf die Bühne. Wie auch in den vergangen Jahren, dienten bei der Inszenierung von „Mose“ die Stufen der Jesinger Petruskirche als Bühne.
Seit Anfang April traf sich das Freilichtspiel-Team zwei Mal pro Woche um sich auf die Aufführung vorzubereiten und das Stück wieder und wieder zu proben. Hier wurde noch am Text gefeilt, da an der Betonung und dort an den Kostümen und Requisiten genäht und gebastelt. Mit viel Liebe zum Detail und Kreativität hat sich das Team auf den großen Abend vorbereitet und so stand es außer Frage, dass die Inszenierung ein voller Erfolg werden würde.
Das selbstverfasst Stückstellte die wichtigsten Etappen im Leben Moses dar. Da der ägyptische Pharao eine Erstarkung der Sklaven und damit eine Revolte fürchtete, lässt er den israelitischen Hebammen Schifra und Pua befehlen alle neugeborenen Söhne der Sklavinnen umzubringen. Beide widersetzen sich dem Befehl, sodass der Pharao das Gebot erlässt, dass alle israelischen Jungen im Nil ertränkt werden sollen. Aus Angst ihren Sohn sterben zu sehen setzt Moses Mutter ihn in einem Körbchen im Nil aus wo er von der ägyptischen Prinzessin gefunden und aufgezogen wird. Nachdem der erwachsene Mose – im Herzen verbunden mit seinem hebräischen Volk – aus Wut über dessen Umgang mit den Sklaven einen Sklavenaufseher erschlägt muss er in die Wüste fliehen. Dort erscheint ihm Gott in Form eines brennenden Dornbuschs und gibt ihm den Auftrag das Volk Israels aus Ägypten zu führen. Mit einem Rap überzeugt Mose im Stück die Sklaven davon ihm und vor allem Gott zu vertrauen, denn „Gott […] ist hier, mitten im Lied, in unserer Not“. Da der Pharao seine Sklaven nicht ziehen lassen will, schickt Gott ihm zehn Plagen, welche effektvoll durch ein Schattenspiel dargestellt wurden. Auch die letzte Herausforderung – der Bedrohung von zwei Seiten durch das Meer und das Heer des Pharao – meistert Mose mit Gottes Hilfe. Er teilt das Meer und führt das Volk in die Freiheit, die Soldaten des Pharao hingegen ertrinken in den „tödlichen Wogen“.

Für Auflockerung sorgte die Geschichte rund um das „magische“ Körbchen, in dem einerseits Mose ausgesetzt wurde, das aber andererseits auch als „Zeitmaschine“ diente und das Geheimnis barg, „wie ein Ägypter geht“.
Doch der Abend sollte nicht als bloße Unterhaltung dienen, sondern die zahlreichen Zuschauer auch zum Nachdenken anregen. Als Zusammenfassung der wichtigsten Gedanken und als Adaptierung der Geschichte in unserer Zeit diente ein Zeitsprung zu einer Putzfrau, die nachts im Museum putzt. Denn Mose, das ist keine alte, verstaubte Geschichte. Wir können von ihm lernen, fasst die Frau, die scheinbar alles im Leben verloren hat – sie ist geschieden, verlor das Sorgerecht für ihre Tochter und das Ansehen ihrer Mutter, sie ist dem Alkohol verfallen -, zusammen. Gott, so das Fazit des gesamten Abends teilt all unser „Sorgen Meer“ und hilft uns allen aus unserem persönlichen Leid. Mose, das ist eine zeitlose Geschichte, in der es um Unterdrückung, Mut und Hoffnung in Zeiten größter Not geht.

Und nicht nur zu Moses Zeiten verließen die Menschen ihre Heimat um in anderen Gebieten eine bessere Zukunft zu finden; auch heute noch sind zahlreiche Menschen auf der Flucht und suchen auch hier in Kirchheim/Dettingen Zuflucht. Daher fließen die Spenden in Höhe von 3120.- Euro in diesem Jahr an den Arbeitskreis Asyl Kirchheim.

Wie zu erwarten war, fiel die Reaktion auf die Inszenierung durchweg positiv aus. Die zur Verfügung stehenden Plätze reichten für die mehr als 600 Zuschauer trotz selbst mitgebrachter Stühle nicht aus. Mit tosendem Applaus wurde der Abend beendet und spornte das Freilichtspiel-Team, allen voran den fleißigen Versedichter, an, auch im nächsten Jahr wieder eine Aufführung zu wagen. So können wir nur hoffen, dass es auch im nächsten Jahr wieder eine Inszenierung in gewohnt heiterer und ernsthafter Weise geben wird.
- Constanze Feinauer -